Donnerstag, 5. Februar 2009

Späte Einsicht?

Über eine Woche hat der Papst gebraucht, bis er sich dem wachsenden Druck von allen Seiten gebeugt hat und nun endlich zumindest schriftlich den umstrittenen Richard Williamson dazu aufgefordert hat, seine Aussage zum Holocaust zurückzunehmen. Andernfalls könne er das Amt des Bischoffs nicht ausüben. Viel hat es dazu gebraucht. Da musste sich sogar die höchste politische Ebene in den Streit einschalten, bevor der Vatikan endlich nachgab.

Vorher hieß es, die Aussagen Williamsons stehen in keinem Zusammenhang mit der Rücknahme der Exkommunikation der Pius-Bruderschaft. Ja, der Papst hätte gar keine Kenntnis von dessen Äußerungen gehabt. Stellt sich doch die Frage, wie so etwas sein kann. Ist es wirklich möglich, dass in einem Verwaltungsapparat mit über 3.000 Angestellten eine so hochbrisante Äußerung einfach untergeht? Das ist beim besten Willen schwer vorstellbar. Es ist schwer vorstellbar, dass die Rücknahme einer Exkommunikation (von VIER Bischöfen) einer so laschen vorherigen Kontrolle unterliegt, dass so etwas nicht bis zum Papst durchdringt.

Kommen wir zum zweiten Aspekt, der den Eintritt in die katholische Kirche in keinen kausalen Zusammenhang setzt mit den Äußerungen Desjenigen, der da aufgenommen werden soll. So eine Einstellung ist schon sehr schwer nachzuvollziehen. Welchen Grund kann es dann denn überhaupt noch geben aus der Kirche ausgeschlossen zu werden, wenn es sich dabei nicht um Aussagen dreht (und zwar solchen, die historische Tatsachen auf schrecklichste Weise widerrufen)? Muss man dafür erst brandschatzen, vergewaltigen und morden?

Dass dieser Skandal viele Katholiken und Nicht-Katholiken in der ganzen Welt schockiert, ist verständlich. Leider passt die Affäre ganz gut ins Bild, das "unser" Papst jetzt schon seit einiger Zeit prägt. Zu erinnern ist dabei erstens an die Wiedereinführung der lateinischen Messen: Welchen Sinn kann es machen, eine Messe in lateinischer Sprache abzuhalten? Geht es nicht gerade in der Kirche und da gerade in der Predigt darum, die Menschen anzusprechen? Wer den Predigttext nicht versteht, der kann genauso gut einer weltfremden Sekte beitreten, in der unverständliche Texte dumpf immer und immer wieder aufgesagt werden ohne deren Sinn zu begreifen.

Zweitens: die Wiedereinführung der alten Karfreitagsfürbitte, in der dafür gebetet wird, dass Gott die Juden erleuchte. Wie kann ein Papst glaubwürdig vom friedlichen Zusammenleben der Religionen sprechen, wenn er dem Judentum auf diese Weise jegliche Existenzberechtigung abspricht? Es ist erstaunlich, dass nach diesem Vorfall überhaupt noch Beziehungen zwischen Judentum und Vatikan bestehen.

Drittens: Die Förderung radikaler Kräfte innerhalb der katholischen Kirche zum Beispiel durch die Ernennung des ultrakonservativen Priester Gerhard Wagner zum Weihbischof von Linz und nicht zuletzt durch die Aufhebung der Exkommunikation der Anhänger der rückwärtsgewanden Pius-Bruderschaft. Mit Benedikt XVI. schlägt die katholische einen immer radikaleren Kurs ein. Da ist kaum noch Platz für interreligiösen Dialog. Da will sich die römisch-katholische Kirche wieder als einzig wahre Religion aufspielen. Wir fühlen uns in die düsteren Zeiten der Kreuzzüge zurückversetzt. Gerade in einer Zeit, in der die Welt von religiösen Extremisten bedroht wird (und ich rede nicht nur von Islamisten) ist dieser Weg verheerend.

Leider war eine solche Entwicklung fast schon vorhersehbar nach Einsetzung Josef Ratzingers als Papst. Bereits in seiner Zeit als Kardinal war er für seine extrem harten und konservativen Einstellungen gegenüber Andersgläubigen und Andersdenkenden bekannt. Eine Weggefährtin Ratzingers erklärte vor kurzem, dass auch der junge Ratzinger nie ganz von den Neuerungen der katholischen Kirche im zweiten vatikanischen Konzil überzeugt war.

Traurig ist diese Entwicklung vor allem darum, weil die katholische Kirche bereit vor Benedikt zu einer der rückständigsten Einrichtungen unserer Gesellschaft zu zählen war. Ihre Ablehnung von gleichgeschlechtlichen Beziehungen genauso wie Verhütungsmitteln gehörten schon nicht mehr ins Weltbild des 20. geschweige denn das des 21. Jahrhunderts. Wie viel Leid und Elend der Vatikan vor allem durch die strikte Haltung gegenüber Kondomen gerade in vielen Ländern Afrikas hervorruft, ist kaum vorstellbar.

Angesichts der neuesten Entwicklungen in Rom müssen wir befürchten, dass der Einfluss der katholischen Kirche weniger zur Besserung als vielmehr zur Verschlechterung der Weltsituation führt. Bleibt die Frage, ob diejenigen, die da für die Verkündung der Worte Gottes leben den wahren Sinn der christlichen Werte wirklich verstanden haben. Von Nächstenliebe und einem Beitrag zum Frieden zwischen den Menschen auf Erden kann ich da jedenfalls nichts erkennen.

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