Montag, 16. Februar 2009

Volksverdummung vom Chefmentalisten

Dem ein oder anderen dürfte die Sendung "The Next Uri Geller" auf ProSieben ein Begriff sein. Vom Prinzip her handelt es sich dabei um ein recht gutes Sendekonzept. Zumindest hat es in mehreren Ländern (USA, Niederlande, Israel) den Weg in die Primetime gefunden und ist - zumindest was die erste Staffel angeht - auch hier zulande gut vom Fernsehpublikum angenommen worden.

Madig macht dem mitdenkenden Zuschauer die Sendung jedoch das ewige Beteuern, es seien "echte Magie" und "übermenschliche Fähigkeiten" am Werke. Schade eigentlich, denn die Vorführungen könnten doch sehr unterhaltsam sein, wenn man sie einfach als das betiteln würde, was sie sind: gute (oder manchmal auch nicht so gute) Tricks und Illusionen. 

Kein wirklich erfolgreicher Magier hat jemals von sich behauptet, wirklich zaubern zu können. Er überlässt das Urteil lieber dem staunenden Publikum. Das Abrutschen der Sendung ins Esoterische verleiht der Show leider einen Touch, der einem das sichere Gefühl gibt, die Fernsehmacher vom Münchner Sender ProSieben nehmen ihre Zuschauer nicht für voll. Es erinnert an Zeiten, in der auf europäischen Märkten Quacksalber Mittel zur Teufelsaustreibung verkauften. "The Next Uri Geller" könnte eigentlich eine nette abendliche Unterhaltungssendung sein, mit ihrem jetzigen Konzept ist sie leider reine Volksverdummung.

Onlinetipp: Wer sich für die Auflösung der Tricks der großen "Mentalisten" interessiert, der sollte mal einen Blick auf http://www.motricks.de/ werfen. Viel Spaß!

Deutschland sucht den Superdurchschnitt

Es ist immer wieder erstaunlich, wie viele junge "Talente" jedes Mal den Weg zu den in ganz Deutschland stattfindenden Castings von "Deutschland sucht den Superstar" finden. Tausende kommen, um nur einmal die Chance zu haben, ihren Traum vom Leben als Superstar wahr werden zu lassen.

Doch was ist eigentlich ein Superstar? Sicherlich nicht das, was der Fernsehsender RTL jetzt schon zum gefühlt tausendsten Mal live im vor einem Millionenpublikum sucht. Das einzige, was da gesucht wird, ist die Quote. Und die ist selbst nach nun fünf Staffeln immer noch erstaunlich hoch. Sogar so hoch, dass die Sendung 2008 den Deutschen Fernsehpreis für die "Beste Unterhaltungssendung" bekommen hat. Den Titel kann man der Sendung nicht absprechen, vor allem daher, weil es eben auch eine sehr erfolgreiche Show mit hohem Unterhaltungsfaktor ist. Erstaunlich ist aber doch, mit welcher Naivität so mancher Castingteilnehmer sich der Jury stellt. Denn DSDS macht alles aus den Kandidaten, nur keinen Superstar.

Ein Superstar ist eine öffentliche Person, die große (in dem Fall musikalische) Erfolge über eine lange Zeit erzielt. Dazu zu rechnen wären im internationalen Musikgeschäft Menschen wie Elton John, Tina Turner, The Rolling Stones, Rod Steward, U2 usw. Deutsche Superstars gibt es sicherlich auch. Dieter Bohlen mag aufgrund seiner bemerkenswerten musikalischen Erfolge als Musiker, Komponist und Produzent als einer von ihnen gelten. Danach hört jedoch die Liste der Superstars, die mit DSDS in Verbindung zu bringen sind schlagartig auf.

Nur mal ein kleiner Test. Wer waren die Gewinner der bisherigen DSDS Staffeln? Und dran denken, man muss auf fünf kommen. Der ein oder andere hat nach viel Überlegen vielleicht alle fünf zusammen bekommen. Aber um Superstars handelt es sich dabei nicht.

Das ist auch gar kein Wunder, denn das, was die Jury von DSDS den Kandidaten in den Castings abverlangt, hat nur immer aller entferntesten Sinne etwas mit dem Überprüfen und Erlernen der Fähigkeiten eines Superstars zu tun. Beispielsweise muss niemand, um Superstar zu werden, über Kopf an einem Kran hängend geschweige denn mit einer Riesenpython um den Hals eine Ballade perfekt singen können. Den einzigen Zweck, den das erfüllt, ist die Steigerung von Einschaltquoten.

Und auch wenn es nicht so erscheint, der sinnloseste Part der Sendung beginnt erst mit den so genannten Mottoshows. Kein echter Superstar muss zehn verschiedene Musikstile meisterhaft beherrschen. Jemand, der es durch diesen musikalischen Filter schafft, kann nur mittelmäßig sein. Denn ein richtiger Superstar hat über Jahre eine Leidenschaft zu seiner Musik aufgebaut, hat die entsprechende Stimme für die Entsprechende Stilrichtung und identifiziert sich mit dieser Musik. Das Ergebnis des alljährlichen Castings hingegen bringt leider immer wieder nur One-Hit-Pop-Mainstream-Nullen hervor. Und wenn sie es nicht schon vorher waren, dann werden sie es durch das Casting. Kaum einer der Kandidaten hat es zu einer zweiten Singleauskopplung geschafft und die meisten sind nach spätestens einem Jahr wieder in der Versenkung verschwunden, aus der sie gekommen sind. Schon verblüffend, dass so Viele die Strapazen und die enorme psychische und physische Belastung auf sich nehmen, nur um nachher diese eher zweifelhafte Art von Karriere zu machen.

Erstaunlich aber auch, wie viele, die sich vorher so bereitwillig dem Urteil der Jury aussetzten, nach einer vernichtenden Kritik die Fachkenntnis eben jener Jury in Zweifel ziehen. Bei allem Zweifel, der an der Sinnhaftigkeit des Sendekonzepts und der Kompetenz der Jurymitglieder angebracht ist, können sich die Kandidaten aber nicht darauf berufen. Sie haben sich nun mal freiwillig für die Teilnahme an der Sendung gemeldet und müssen folglich auch mit jeder Art von Konsequenz, und sei es die Absprache jedes musikalischen Talents arrangieren.

Bleibt zum Schluss nur zu sagen: That's Showbiz! - aber lasst das Superstarsein bitte denen, die den Namen auch verdienen.

Donnerstag, 5. Februar 2009

Späte Einsicht?

Über eine Woche hat der Papst gebraucht, bis er sich dem wachsenden Druck von allen Seiten gebeugt hat und nun endlich zumindest schriftlich den umstrittenen Richard Williamson dazu aufgefordert hat, seine Aussage zum Holocaust zurückzunehmen. Andernfalls könne er das Amt des Bischoffs nicht ausüben. Viel hat es dazu gebraucht. Da musste sich sogar die höchste politische Ebene in den Streit einschalten, bevor der Vatikan endlich nachgab.

Vorher hieß es, die Aussagen Williamsons stehen in keinem Zusammenhang mit der Rücknahme der Exkommunikation der Pius-Bruderschaft. Ja, der Papst hätte gar keine Kenntnis von dessen Äußerungen gehabt. Stellt sich doch die Frage, wie so etwas sein kann. Ist es wirklich möglich, dass in einem Verwaltungsapparat mit über 3.000 Angestellten eine so hochbrisante Äußerung einfach untergeht? Das ist beim besten Willen schwer vorstellbar. Es ist schwer vorstellbar, dass die Rücknahme einer Exkommunikation (von VIER Bischöfen) einer so laschen vorherigen Kontrolle unterliegt, dass so etwas nicht bis zum Papst durchdringt.

Kommen wir zum zweiten Aspekt, der den Eintritt in die katholische Kirche in keinen kausalen Zusammenhang setzt mit den Äußerungen Desjenigen, der da aufgenommen werden soll. So eine Einstellung ist schon sehr schwer nachzuvollziehen. Welchen Grund kann es dann denn überhaupt noch geben aus der Kirche ausgeschlossen zu werden, wenn es sich dabei nicht um Aussagen dreht (und zwar solchen, die historische Tatsachen auf schrecklichste Weise widerrufen)? Muss man dafür erst brandschatzen, vergewaltigen und morden?

Dass dieser Skandal viele Katholiken und Nicht-Katholiken in der ganzen Welt schockiert, ist verständlich. Leider passt die Affäre ganz gut ins Bild, das "unser" Papst jetzt schon seit einiger Zeit prägt. Zu erinnern ist dabei erstens an die Wiedereinführung der lateinischen Messen: Welchen Sinn kann es machen, eine Messe in lateinischer Sprache abzuhalten? Geht es nicht gerade in der Kirche und da gerade in der Predigt darum, die Menschen anzusprechen? Wer den Predigttext nicht versteht, der kann genauso gut einer weltfremden Sekte beitreten, in der unverständliche Texte dumpf immer und immer wieder aufgesagt werden ohne deren Sinn zu begreifen.

Zweitens: die Wiedereinführung der alten Karfreitagsfürbitte, in der dafür gebetet wird, dass Gott die Juden erleuchte. Wie kann ein Papst glaubwürdig vom friedlichen Zusammenleben der Religionen sprechen, wenn er dem Judentum auf diese Weise jegliche Existenzberechtigung abspricht? Es ist erstaunlich, dass nach diesem Vorfall überhaupt noch Beziehungen zwischen Judentum und Vatikan bestehen.

Drittens: Die Förderung radikaler Kräfte innerhalb der katholischen Kirche zum Beispiel durch die Ernennung des ultrakonservativen Priester Gerhard Wagner zum Weihbischof von Linz und nicht zuletzt durch die Aufhebung der Exkommunikation der Anhänger der rückwärtsgewanden Pius-Bruderschaft. Mit Benedikt XVI. schlägt die katholische einen immer radikaleren Kurs ein. Da ist kaum noch Platz für interreligiösen Dialog. Da will sich die römisch-katholische Kirche wieder als einzig wahre Religion aufspielen. Wir fühlen uns in die düsteren Zeiten der Kreuzzüge zurückversetzt. Gerade in einer Zeit, in der die Welt von religiösen Extremisten bedroht wird (und ich rede nicht nur von Islamisten) ist dieser Weg verheerend.

Leider war eine solche Entwicklung fast schon vorhersehbar nach Einsetzung Josef Ratzingers als Papst. Bereits in seiner Zeit als Kardinal war er für seine extrem harten und konservativen Einstellungen gegenüber Andersgläubigen und Andersdenkenden bekannt. Eine Weggefährtin Ratzingers erklärte vor kurzem, dass auch der junge Ratzinger nie ganz von den Neuerungen der katholischen Kirche im zweiten vatikanischen Konzil überzeugt war.

Traurig ist diese Entwicklung vor allem darum, weil die katholische Kirche bereit vor Benedikt zu einer der rückständigsten Einrichtungen unserer Gesellschaft zu zählen war. Ihre Ablehnung von gleichgeschlechtlichen Beziehungen genauso wie Verhütungsmitteln gehörten schon nicht mehr ins Weltbild des 20. geschweige denn das des 21. Jahrhunderts. Wie viel Leid und Elend der Vatikan vor allem durch die strikte Haltung gegenüber Kondomen gerade in vielen Ländern Afrikas hervorruft, ist kaum vorstellbar.

Angesichts der neuesten Entwicklungen in Rom müssen wir befürchten, dass der Einfluss der katholischen Kirche weniger zur Besserung als vielmehr zur Verschlechterung der Weltsituation führt. Bleibt die Frage, ob diejenigen, die da für die Verkündung der Worte Gottes leben den wahren Sinn der christlichen Werte wirklich verstanden haben. Von Nächstenliebe und einem Beitrag zum Frieden zwischen den Menschen auf Erden kann ich da jedenfalls nichts erkennen.

Sonntag, 25. Januar 2009

Leserbrief an die T-Online-Redaktion

Sehr geehrte Damen und Herren aus der Redaktion,

wie schon des Öfteren ist mir heute wieder einmal aufgefallen, dass Ihre Berichterstattung bezüglich des deutschen Fernsehens extrem einseitig von statten geht. In der Rubrik Livestyle fiel heute besonders auf, die Ihre Redaktion bei den Sendungen privater und öffentlich-rechtlicher Sender mit zweierlei Maß misst.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie schlecht Ihre Kritiker die Sendung Wetten Dass...? wegkommen lassen. Da wird auf alles eingedroschen, was nur im geringsten Maße auffällig ist. Thomas Gottschalk, übrigens neben Jörg Pilawa und Günther Jauch der einzige deutsche Moderator, der die Fähigkeiten für eine solche Sendung mitbringt, wird für jeden Scherz sofot mit einem gesalzenen Kommentar abgestraft. Es mag Ihnen vielleicht nicht bekannt sein, aber es handelt sich bei Wetten Dass..? um eine Unterhaltungs- und Familiensendung und nicht um ein Comedy-Format. Es ist nicht Aufgabe eines Moderators einen Lacher nach dem anderen zu produzieren. Es geht vielmehr darum die Show hier und da mit lustigen Einwürfen aufzulockern. Die Unprofesionalität zeigt sich dann auch noch in der Formulierung der Antwortmöglichkeiten beim T-Online TED, in dem zwei der drei Antwortmöglichkeiten negativ konnotiert sind.

Ähnliches fällt bei der Berichterstattung über die Sendung Schmidt&Pocher auf. Auch hier scheint jeden Haar in der Suppe gesucht zu werden.

Erstaunlich ist diese Berichterstattung für mich darum, weil ein viel flacheres Niveau, wie es bei RTL mit dem Dschungelcamp und DSDS gezeigt wird mit Lob überhäuft wird. Da wird von "Spannung bis zum Schluss" bei der Wahl des Dschungelkönigs und von den lustigen Sprüchen des Pop-Titan Dieter Bohlen geredet. Und auf einmal scheint es den Redakteuren doch möglich, positive und halbwegs wertungsfreie Artikel zu schreiben.

Es mag natürlich sein, dass die Redaktion von T-Online mit der Berichterstattung überhaupt nichts zu tun hat und die Artikel und Meinungen direkt von der Boulevardzeitschrift BILD übernimmt (dieser Eindruck ermächtigt sich mir des Öfteren). Ob es stimmt mag ich nicht zu beurteilen. Was mir jedoch aufällt ist, dass diese Art von Berichterstattung nicht dem Image entspricht, den die Deutsche Telekom als Qualitätsanbieter (sei es in technischer oder sonstiger Form) zu vermitteln versucht.

In der Hoffung auf bessere journalistische Beiträge in der Zukunft verbleibe ich mit freundlichen Grüßen,

Zwischenfunker

Donnerstag, 8. Januar 2009

Das Dilemma von Gaza

Kaum einem dürfte entgangen sein, was sich in den letzten Tagen und Wochen im Nahen Osten abgespielt hat. Im Fernsehen sehen wir Bilder von Krieg und Tod.

Was war passiert? Die israelische Armee hat den Gazastreifen erst bombardiert und dann eine Bodenoffensive gestartet. Ziel: Schwächung und im besten Falle Auslöschung der radikalislamischen Hamas. Die Bilder, die wir sehen, machen bedrückt. Zerstörete Häuser, Tote und Verletzte. Tausende Menschen gehen überall auf der Welt auf die Straße und demonstrieren gegen den Militäreinsatz der Israelis. Aber wie kompliziert und verfahren die Situation in Wirklichkeit ist, das kann man erst begreifen, wenn man sich in beide Perspektiven des Konflikts hineindenkt.

Aus israelischer Sicht war die Mission "Gegossenes Blei" - wie der Einsatz in Gaza genannt wird - notwendig, ja legitim, vielleicht sogar unabwendbar. Über sieben Jahre musste das israelische Volk zusehen, wie die Hamas aus dem Gazastreifen tägich Raketen auf israelische Dörfer schoss. Oft wird vergessen, dass es auch da viele Opfer gab und immernoch gibt. Jede Regierung der Welt würde solch einen Beschuss als Angriff auf ihre Souveränität und Freiheit verstehen und wäre gezwungen dagegen vorzugehen. Nachdem ein Waffenstillstand von Seiten der Hamas nach einigen Monaten aufgekündigt wurde, musste die israelische Regierung handeln.

Aus palästinesischer Sicht ist die Situation natürlich prekär. Die Bevölkerung des Gazastreifens hatte schon unter der Abriegelung der Grenzen durch Israel und Ägypten und nicht zuletzt auch unter dem harten Durchgreifen der Hamas stark zu leiden. Jetzt sehen sie sich auch noch auf dem Schlachtfeld eines Krieges, den sie niemals wollten. Der Rückhalt der Hamas in der Bevölkerung war seit deren gewaltsamer Machtübernahme im Gazastreifen zusehens gesunken.

Die Angriffe des israelischen Militärs mögen zwar gut gezielt gegen Stützpunkte der Hamas gerichtet sein, können aber im am dichtesten bevölkerten Gebiet der Welt niemals ohne weitere Schäden auskommen. Was sich so einfach als Kollateralschäden ausdrücken lässt, sind in der Realität Familientragödien. Da sterben Väter, Mütter, Kinder, Enkel, Brüder, Schwestern. Dass solche Verluste Hass nach sich ziehen, ist mehr als verständlich. Und so bewirkt der Angriff der Israelis leider auf lange Sicht genau das Gegenteil von dem, was er eigentlich bewirken will. Was gedacht war, um die Hamas zu schwächen, wird sie, zumindest, was ihre Sympatien und Anhängerschaft angeht, wohl eher stärken.

Denn von einem Familienvater, der gerade Frau und Kinder verloren hat ist wohl schwerlich eine bedachte Reflektion zu erwarten. Er wird den Israelis die Schuld für den Tod einer Familie geben, denn sie ist durch israelische Bomben ums Leben gekommen. Das die Schuldigen eher noch bei den Anführern der Hamas zu suchen sind, die Israel jahrelang provoziert und Friedensgespräche verweigert haben und die sich unter der zivilen Bevölkerung verstecken, daran wird der Familienvater wohl nicht denken. Und es ist ihm nicht einmal zu verübeln.

Leider kommen wir bei diesem Konflikt mit reiner schwarz-weiß Malerei nicht weiter. Das versteht man, hat man die Gegend einmal selbst besucht hat, sehr gut. Die Fehler sind auf beiden Seiten zu suchen. Gewalt schürt leider immer Hass und führt zu immer extremeren Denkweisen. Das ist auch der Grund, warum an einen Frieden im Nahen Osten so bald nicht gedacht werden kann.

Es ist sehr zu bedauern, dass es so weit gekommen ist. Dabei hätte man die Aufspaltung der palästinensichen Gebiete in "Fatahland" und "Hamasland" als Chance wahrnehmen müssen. Israel hätte mehr guten Willen gegenüber der gemäßigten Fatah in der Westbank zeigen und seine Siedlungspolitik einstellen müssen. Wäre ein friedlicher Dialog mit der Palästinensern im Westjordanland zustande gekommen, hätte die Bevölkerung die Vorteile einer friedlichen Koexistenz zu spüren bekommen und die Hamas hätte sich wohl auch im Gazastreifen nicht mehr lange halten können.

Auch wenn die Operation "Gegossenes Blei" Israel für kurze Zeit Ruhe bringen wird, so war es leider ein Schritt zurück auf dem Weg zu einer friedlichen Zwei-Staaten-Lösung.

Mittwoch, 26. November 2008

Adel schütz vor Blödheit nicht

Dass dieser Satz stimmt, sollte uns schon aus dem Geschichtsunterricht bekannt sein. Da stellten sich die Nackenhaare hoch, wenn man erfuhr, dass Menschen mit dem Intelligenzquotienten eines Kachelofens wichtige politische Funktionen besetzten und Privilegien genossen, nur aufgrund ihrer Abstammung. Man kann nur froh sein, dass diese Ära längt der Vergangenheit angehört.

Doch ganz verschont bleiben wir auch in unserer heutigen Zeit von geistig unterbemittelten Aristokraten nicht.
Paradebeispiel neben Prinz Harry und dem Pinkel- und Prügelprinzen von Hannover ist Gloria von Thurn und Taxis.

Immer wieder schafft sie es mit selten dämlichen Bemerkungen zu Gott und der Welt das Interesse der Öffentlichkeit auf sich zu ziehen. Bemerkenswert daran ist jedoch, mit welcher meisterlichen Treffsicherheit sie es schafft, die Dummheit und Unüberlegtheit ihrer vorherigen Aussagen immer wieder zu übertreffen.

Für den interessierten Leser sei hier noch einmal das schönste aus den letzten Jahren Thurn und Taxis zusammengefasst. Ihren ersten bleibenden Eindruck als geistiges Vakuum hinterlies sie 2001 in der Fernsehtalkshow Friedman mit der Aussage: "Afrika hat Probleme nicht wegen fehlender Verhütung. Da sterben die Leute an AIDS, weil sie zu viel schnackseln. Der Schwarze schnackselt gerne." Dass hier Rassismus mitklingt, wies sie schockiert zurück. Der Vorwurf ist in der Tat nicht haltbar, da Frau von Thurn und Taxis wahrscheinlich nicht einmal in der Lage wäre, zu erklären, worum es sich bei dem Begriff Rassismus eigentlich handelt.

In den darauffolgenden Jahren wurde es erst einmal still um die etwas anders tickende Prinzessin, die sich gerne als "Fürstin" betiteln lässt.

Sie trat jedoch bald wieder ins Blickfeld der Öffentlichkeit. Im Frühjahr 2007 wird sie vom Regensburger Wochenblatt mit den Worten: "Ich finde wir bräuchten wieder eine Inquisition für die Leute, die immer unseren Bischof angreifen, oder für die, die Frauen als Priester wollen." Wer kann es ihr verübeln. Die Zeit der Inquisition war schließlich eine der lustigsten und fröhlichsten der Geschichte.

Im September zündete die Fürstin dann ein wahres Feuerwerk der Verbalquerschläger. In der Sendung "Menschen bei Maischberger" verurteilte sie zuallererst Pille und Kondom, die ihrer Meinung nach Formen der Abtreibung und daher moraltisch auf keinen Fall vertretbar sein. Dass Kondome vor AIDS schützen, hielt sie ebenfalls für falsch. Vielmehr müssten die Afrikaner, die dieses Problem ja am stärksten betrifft, sich auf die Tugend der Treue besinnen. Dabei rief sie erneut zu weniger "Schnackseln" auf. Der schwarze Kontinent wird es ihr sicher danken. Aber auch für Homosexuelle ist Frau von Thurn und Taxis da. In der Sendung erklärte sie nämlich außerdem, dass "gegen Schwulsein" nur "viel beten" helfe.

Ein paar Tage später bezog sie sich erneut auf das Thema und erklärete diesmal, "Erst mal glaube ich, dass es reine Homosexualität so gar nicht gibt. Das ist eine Zeit lang modern, so wie damals bei den alten Griechen. Und dann wird daraus ein Kult gemacht."

Und wir stellen erstaunt fest, dass unsere moderne Gesellschaft einem Trugschluss zum aufgesessen ist. Schließlich erklärte sie am 24. November bei Beckmann, dass sie es schade fände, dass es keine arrangierten Ehen mehr gäbe. "Wir Eltern kennen unsere Kinder gut und wissen, wer da passen könnte. Liebe kann man lernen." Bleibt nur die beruhigende Tatsache, zu wissen, dass heutzutage politische Partizipation und Macht nicht mehr vom Stammbaum abhängig gemacht werden und das Volk selbst bestimmen kann, wer es regieren soll. Unvorstellbar, in welcher Welt wir leben würden, würde Leuten wie Gloria Thurn und Taxis gesellschaftliche Verantwortung übertragen. So können wir uns getrost zurücklehnen, den Kopf schütteln und schnell das Programm umschalten, wenn wieder geballte Dummheit die Flimmerkiste einzunehmen droht.

Donnerstag, 6. November 2008

Doppelter Wahlbetrug

Aus ist es mit dem Versuch eines Neuanfangs in Hessen. Am Montag haben sich die vier Abgeordneten Jürgen Walter, Dagmar Metzger, Carmen Everts und Silke Tesch dagegen entschieden Andrea Ypsilanti zur neuen Ministerpräsidentin Hessens zu wählen.

Das ganze geschah knapp 24 Stunden vor der geplanten Wahl im Landtag. Es ist schon erstaunlich, wie kurz vor knapp und spontan sich da so ein SPDler Gewissen wieder meldet. Von Dagmar Metzger war uns ja schon lange klar, dass sie eine rot-grüne Minderheitenregierung mit Duldung der Linken nicht unterstützen kann. Daraufhin war der erste Anlauf zu einem Regierungswechsel in Hessen bereits gescheitert.

Grund für die Verweigerung ihrer Stimme war, dass sie sich nicht in der Lage sah ein vor der Wahl an ihre Wähler gegebenes Versprechen zu brechen. Denn vor der Wahl hatte die Hessen SPD noch eine Zusammenarbeit mit der Linken bei der Regierungsbildung kategorisch ausgeschlossen.

Seit diesem Ereignis sind mittlerweile mehrere Monate ins Land gegangen. Die SPD hat in dieser Zeit wieder neuen Mut gefasst und einen zweiten Anlauf zum Sprung an die Macht genommen. Da wurden Gespräche geführt mit den Grünen und der Linken. Rot und Grün hatten bereits in langen Koalitionsverhandlungen einen Koalitionsvertrag unter Dach und Fach gebracht und selbst Probeabstimmungen hatte man, mit bitterer Erinnerung an den Fall Metzger durchgeführt. Auch die SPD Basis hatte mit 95 Prozent ihre Zustimmung zu dem Projekt in Hessen gegeben.

Doch auf einmal fiel den drei Abgeordneten Walter, Everts und Tesch ein, dass sie eine solche Regierung unmöglich verantworten können. Gründe dafür gab es auf einmal viele. Arbeitsplätze sein gefährdet und sowieso wäre das mit der Duldung durch die Linke ja keine gute Idee.

Besonders irritierend ist diese Entscheidung von Jürgen Walter, denn er war praradoxerweise ja gerade einer, der den Koalitionsvertrag maßgeblich mitgestaltete hatte.

Da ist es dann schon sehr schwierig die Position der Abweichler noch zu verstehen. Genauso, wie es auch verwundert, dass sie noch kurz vor der Bekanntgabe versucht haben sollen, weitere SPD Abgeordnete von ihrer Meinung zu überzeugen.

Nach solchen Informationen ist man geneigt Gerüchten von angeblicher Bestechung durch Großindustrielle Glauben zu schenken. Jedoch lässt sich über die wahren Gründe schwierig eine Aussagen treffen.

Festzuhalten bleibt jedoch, dass diese drei Genossen (Frau Metzger sei an dieser Stelle vorerst ausgeklammert) ein Verhalten an den Tag gelegt haben, dass zutiefst parteischädigend ist.

Diese Entscheidung zeugt von einer extremen menschlichen und moralischen Unreife. Besonderes Augenmerk sollte an dieser Stelle erneut dem Begriff des Wahlbetrugs zukommen. Die Abweichler setzen ihn sehr gerne ein, um ihre Entscheidung publikumswirksam zu verteidigen. Dabei scheint den Möchtegern-Genossen jedoch wohl nicht auf, dass gerade sie einen noch viel größeren Wahlbetrug geleistet haben. Denn wie Jürgen Walter selbst sagte, habe man „den Wählern versprochen, Roland Koch abzulösen“.

Und genau das haben die vier Abweichler nun verhindert. Was sie damit ihrer Partei angetan haben, wird spätestens im Januar bei der Neuwahl des hessischen Landtages zu Tage treten. Denn ihre Glaubwürdigkeit und Führungsfähigkeiten hat die SPD mit diesem Coup endgültig verspielt.