Montag, 5. Juli 2010

Die ewige Diskussion um den Qualm

Gestern haben sich die Bürger Bayerns mehrheitlich für ein totales Rauchverbot ausgesprochen. Endlich! Ausnahmen für Eckkneipen mit einem Raum oder sonstige Kuriositäten der Gesetzgebung gibt es dort nun nicht mehr.

Im Vorfeld des Bürgervotums wurde Kampagne gemacht, von beiden Seiten. Sowohl von den Verfechtern als auch den Gegners des Nicht-Rauchergesetzes.

Jetzt ist die Lage klar und die Nein-Sager sind enttäuscht. Mit der Liberalität in Deutschland gehe es zu Ende, die Freiheit der Raucher würde massiv eingeschränkt und unzählige Kneipenwirte würden bald vor dem Nichts stehen.

Doch schauen wir uns die Kritikpunkte doch mal genau an.

Wie war das nochmal mit der Freiheit? In allen demokratischen Ländern leben wir nach einem einfachen Prinzip: Wo die Freiheit eines anderen anfängt, hört die eigene Freiheit auf.

Nehmen wir uns diesen Satz doch mal zu Herzen und wenden ihn auf die Diskussion an. Die Gegener des Rauchverbots fordern also die „Freiheit“, dass jeder Kneipenbesitzer entscheiden kann, ob bei ihm geraucht werden darf oder nicht. Das heißt, dass hier eine Einschränkung der Kneipenwahl für Raucher genauso, wie auch für Nichtraucher besteht. Beide müssen je nach Regelung der Kneipe entscheiden, ob sie diese betreten wollen oder nicht. Doch ist das gerecht? Der Raucher hat im Gegensatz zum Nichtraucher die persönliche Entscheidung getroffen, zugunsten des Genusses seine Gesundheit zu gefährden. Diese Entscheidung darf er treffen, doch indem er im öffentlichen Raum raucht, gefährdet er zusätzlich auch die Gesundheit anderer Menschen. Ist es nicht mehr als legitim, dass sich derjenige einschränken muss, der eine Entscheidung gegen die eigene Gesundheit und für ein ungesundes Leben fällt, als derjenige, der seinem Recht auf ein gesundes Leben nachgehen will? Stattdessen fordern die Gegner des Rauchverbots eine Einschränkung der Nichtraucher in ihrer Wahl des Lokals. Eine aus meiner Sicht nicht zu rechtfertigende Forderung.

Kommen wir zum nächsten Kritikpunkt: Kneipenbesitzer würden, gäbe es das Rauchverbot, vor dem Aus stehen. Ist das wirklich so? Schaun wir doch mal in andere Länder. In etlichen Ländern wurde das absolute Rauchverbot bereits vor Jahren eingeführt. Selbst in Irland, dem Land mit der wohl ausgeprägtesten Kneipenkultur der ganzen Welt herrscht dieses Verbot. Und gehen die Menschen deswegen nicht mehr in die Kneipe? Davon kann keine Rede sein. Es ist doch eine wirre Vorstellung, dass Raucher, sollte das Gesetz eingeführt werden plötzlich nicht mehr in Kneipen gehen.

Wirft man einen genaueren Blick auf die Kritiker des Verbotes, dann handelt es sich dabei einerseits um Raucher andererseits aber vor allem um Unternehmen, die mit dem Rauchen eine Menge Geld verdienen wie Zigarettenhersteller und Unternehmen, die mit dem Vertrieb der Produkte beauftragt sind. Schnell wird klar, dass es für sie hier nur um Geld geht. Freheit und Selbstbestimmung werden als Argumente vorgeschoben, um Werbung für die eigene Sache zu machen.

Von der Politik in diesem Land sollte daher schnell ein umfassendes nationales Gesetz verabschiedet werden, dass das Rauchen generell, an allen öffentlichen Orten ausnahmslos verbietet, so wie es jetzt in Bayern geschieht. Die Initiatoren des Rauchverbots in Bayern wollen ihre Initiative jetzt bundesweit ausweiten. Dabei kann ich ihnen nur viel Erfolg und alles Gute wünschen.

Für ein rauchfreies Deutschland und die Freiheit über seine eigene Gesundheit selbst entscheiden zu können.

Mittwoch, 30. Juni 2010

Eine verpasste Chance

Sehr geehrte Damen und Herren,

dass die Linke immer etwas unangenehm für die etablierte Politik ist, das war bekannt. Das habe ich akzeptiert und auch respektiert. Ja ich habe die Haltung der Linken oft gegenüber Freunden und Bekannten verteidigt und mochte die Idee eines Rot-rot-grün-Experiments.

Die Argumente es handle sich bei der Linken um keine demokratische Partei aufgrund ihrer SED-Vergangenheit hielt ich nie für stichhaltig und sah nie einen Grund, die Zusammenarbeit oder gar sogar Verhandlungen mit Ihrer Partei auszuschlagen.

Was ich jedoch im Zuge der Bundespräsidentenwahl erleben musste, dass lässt mich diese Einstellung zu Ihrer Partei jedoch grundlegend überdenken.

Die Linke hatte hier die einmalige Chance, sich endlich von ihrer unangenehmen Vergangenheit zu verabschieden und zu zeigen, dass sie sich als Teil des demokratischen Staates Bundesrepublik Deutschland sehen. Sie hatten die Gelegenheit, einen Kandidaten zu wählen, der sich nicht nur für die Aufklärung der Stasiverbrechen, sondern sich bereits in der DDR unter großen Risiken für Freiheit einsetze.

Was die Linke jedoch tat, war nichts dergleichen. Stattdessen stellte sie eine eigene Kandidatin auf. Aus Angst? Ich denke schon. Aus Angst, die Altkommunisten könnten der Partei davonlaufen. Ihre Partei hatte nicht die Courage, die Vergangenheit der dunklen kommunistischen Diktatur hinter sich zu lassen und zu zeigen, dass sie für Demokratie einsteht. Man versteckte sich hinter billigen Ausreden, der Kandidat Gauck hätte Ansichten, die mit der Linken in keinem Fall vereinbar wären. Es geht bei der Wahl des Präsidenten jedoch nicht um die Wahl eines Berufspolitikers, sondern eines Repräsentanten des Staates. Die Linke hätte über Herrn Gauck hocherfreut sein müssen. Steht er doch für Freiheit und Demokratie und ist nicht zuletzt ein Mann aus dem Osten.

Dreimal hat Ihre Partei die Möglichkeit gehabt, Courage zu zeigen. Dreimal hat sie versagt. Damit hat die Linke für mich mit dem heutigen Tag bewiesen, dass sie unwählbar ist, da sie rückwärtsgewandt und nicht fähig zur Erneuerung und zur Lösung von alten Lasten ist.

Es ist sehr schade, denn eine Partei, die für die linke Sache und für das Recht der kleinen Leute einsteht brauchen wir in Deutschland dringend. Aber mit der Einstellung, die Ihre Partei heute und in den letzten Tagen gezeigt hat, halte ich sie nicht für eine wählbare Alternative.

Ein sehr entäuschter Bürger

Freitag, 18. Juni 2010

Den Bock zum Gärtner gemacht

Die FDP hat das Superwahljahr 2009 mit einem wahren Traumstart begonnen. Zuerst unglaubliche 16,2 Prozent bei der Hessischen Landtagswahl, danach 11,0 Prozent bei der Europawahl. Das sorgt für gute Prognosen für die Bundestagswahl im September. Die FDP könnte sich als drittstärkste Kraft im Bund etablieren und kommt in diesem Jahr vor allem mit ihrem Ergebnis in Hessen ihrem damaligen Ziel beim Projekt18 - wir erinnern uns an Jürgen W. Möllemann und die Schuhe mit der 18 im Profil - erstaunlich nahe.

Nochmal zur Erinnerung: Wir schreiben das Jahr 2009. Im Herbst des vorangegangenen Jahres platzte die Immobilienkrise in den USA. Sie riss die Finanzwelt mit in die Tiefe. Im Oktober 2008 mussten mehrere Banken Insolvenz anmelden. Manche konnten sich nur aufgrund staatlicher Hilfen geradeso über Wasser halten. Die Krise breitete sich bald auf der ganzen Welt aus, stürzte die Realwirtschaft in die roten Zahlen und verursachte damit eine weltweite Wirtschaftskrise, die bis zum heutigen Tage anhält.

Der Grund dafür war, wie mittlerweile selbst konservative Wirtschaftsexperten wie Prof. Sinn bestätigen zu große Freiheiten für die Wirtschaft und insbesondere die Banken. Die fehlende staatliche Kontrolle führte dazu, dass der Fokus nur noch auf Gewinnmaximierung lag und das wesentliche außer Acht gelassen wurde. An der Börse wurde mit Papieren gehandelt, die selbst die erfahrensten Broker nicht mehr verstanden und wie aus dem Nichts schien immer mehr Geld die Märkte zu fluten. Die Wirtschaft war sich selbst überlassen. Freie Marktwirtschaft. Vergessen das ehemalige Erhard-Attribut "Sozial".

Und wer war all die Zeit hindurch der größte Verfechter dieser Marktliberalisierung? Der Name verrät es bereits: die FDP. Sie forderte den Nachtwächterstaat, der nur noch die gesetzlichen Rahmen setzen sollte und sich sonst gefälligst aus der Wirtschaft herauszuhalten hatte. Je weniger Staat, desto besser.

Aber heute sieht das Bild plötzlich ganz anders aus. Da stehen die Bankenvorstände bei Frau Merkel Spalier und bitten auf einmal um Unterstützung. Da wird ein Finanzschirm für "leidende Banken" gespannt. Da wird die Commerzbank mit dem fast fünffachen ihres eigentlichen Wertes mit staatlichen Geldern unterstützt. Von der Hypo Real Estate gar nicht zu reden. Da muss der Staat Garantien für Opel übernehmen und sich das Gejammer und Gebettele einer Frau Scheffler anhören, die auf einmal Angst um ihre privaten Milliarden hat. Aber ist Vater Staat dann in die Bresche gesprungen, dass soll er sich bloß nicht in die internen Angelegenheiten der Unternehmen einmischen. Liberalisierung ist wieder das Zauberwort. Und der Staat hat ja sowieso keine Ahnung von Finanzen. Das mag sogar stimmen. Sonst hätte er die Wirtschaftsriesen vielleicht sich selbst überlassen. Denn ob der Steuerzahler das Geld aus seinen Anleihen für die Konzerne je wiedersieht, steht in den Sternen.

Und jetzt sitzen wir in der Tinte. Die Verschuldung in Deutschland ist so hoch, wie noch nie. Ob die Krise die Talsohle endlich erreicht hat, darüber lässt sich nur spekulieren. Die Politik wird wieder gebraucht. Wenn man in der Klemme sitzt, dann sind die da oben in Berlin und Brüssel ja auf einmal vielleicht doch zu was gut. Aber der Bürger will selbst mitbestimmen. Er geht wählen. Und was wählt er. Die Partei mit der größten "Wirtschaftskompetenz". Und wer ist das in den Augen des Wählers? Genau, die FDP. Weil, die können ja so gut mit Wirtschaft und so. Und die sind ja auch für Steuersenkung.

Im Klartext: Die Bürger laufen jetzt reihenweise zu einer Partei über, deren sämtlichen Grundsätze und Vorstellungen von einem Staatssystem mit der Wirtschaftskrise vor die Wand gefahren sind. Eine Partei, die sich über Jahrzehnte für genau das eingesetzt hat, was die Krise in Deutschland überhaupt erst möglich gemacht hat. Und zu guter letzt eine Partei, die mit Steuersenkung das wohl Unsinnigste Konzept zum Abtragen des Schuldenberges der Bundesrepublik Deutschland vorzuweisen hat.

Nach den Entwicklungen in der Finanzwelt und der nationalen und internationalen Politik in den letzten zehn Monate hätte das einzig konsequente eine Auflösung der Freien Demokratischen Partei in Deutschland sein müssen. Stattdessen scheint ihr Höhenflug erst gerade zu beginnen. Zu verstehen ist das nun wirklich nicht mehr.

Donnerstag, 24. September 2009

Dreimal werden wir noch wach

... dann steht die nächste Bundestagswahl ins Haus. Die mit dem wahrscheinlich langweiligsten Wahlkampf der deutschen Geschichte. Das suggerieren zumindest die Medien. Und der Bürger scheint ihrer Meinung zu sein. Eins scheint jedenfalls jetzt schon festzustehen: Angela Merkel bleibt Kanzlerin. Es ist nur die Frage mit welcher Mehrheit. Schafft sie es zu einer bürgerlichen Mehrheit mit FDP oder wird die Ausnahmekoalition zwischen SPD und CDU/CSU doch zur Norm? Aber warum eigentlich scheinen nur diese beiden Möglichkeiten zu bestehen? Haben wir nicht fünf Parteien im Parlament? Müsste da nicht rein mathematisch zumindest noch die eine oder andere Alternative bestehen? Das tut sie auch. Angenommen wir bekommen diesen Sonntag eine ähnliche Stimmenverteilung wie 2005 – weder schwarz-gelb noch rot-grün schaffen es zu einer Mehrheit im Bundestag – dann gäbe es ja immer noch die Möglichkeiten von Dreier-Koalitionen. Jamaika, Ampel oder linkes Bündnis. Selbst eine Minderheitsregierung von Rot-grün wäre bei dieser Konstellation möglich. Doch anscheinend sind das alles keine Alternativen. Die Parteien scheinen sich auf die neuen Gegebenheiten eines Fünfparteiensystems nicht einstellen zu wollen. Man will weitermachen wie bisher. Und deshalb wird mittlerweile standardmäßig vor jeder Wahl ausgeschlossen, was das Zeug hält. Erste Vorreiterin, was das angeht, war SPD-Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti. Durch ihre Aussagen vor der Wahl hat sie sich den Posten der Ministerpräsidentin selbst verbaut.

Jetzt wird der gemeine Leser sagen: Das ist ja aber auch richtig so, dass es nicht zu diesem schlimmen Bündnis mit der Linkspartei gekommen ist. Daher möchte ich doch mal die Rückfrage stellen: Warum diese Tabuisierung der Linkspartei? Selbst viele stark Politikinteressierte haben auf diese Frage keine Antwort. Es ist halt einfach so, dass die Linkspartei schlecht ist. Man weiß das nicht so genau, aber das ist so ein bisschen wie mit dem hässlichen Nachbarskind nebenan. Mit dem wollte man auch nie spielen, obwohl man gar nicht so richtig wusste, warum. Aber es hat eben niemand gemacht.

Vergleicht man die Parteiprogramme von SPD, Grünen und Linken erkennt man große Übereinstimmungen. Groß genug, um bequem zusammen regieren zu können. Und selbst eher fragwürdige Positionen der Linken in der Außenpolitik würden in einem Dreierbündnis nicht zum Tragen kommen. Schauen wir übrigens auf die Geschichte der BRD, dann stellen wir fest, dass sie sich wiederholt. Was gerade mit der Linken passiert, mussten vor nicht allzu langer Zeit auch die Grünen noch über sich ergehen lassen. Mittlerweile würde niemand mehr in Abrede stellen, dass man mit den Grünen durchaus praktikable Politik machen kann. Jetzt wird der gemeine Leser mir aber antworten: Diese Konzepte der Linkspartei sind doch gar nicht durchsetzbar. Das mag sein, es mag aber auch nicht sein. Nur werden wir das nie herausfinden, wenn sie nicht auch einmal an einer Regierung beteiligt werden. Ich verweise erneut auf die Grünen. Ihre Geschichte fing als Protestpartei an, seit sie acht Jahre unter Schröder/Fischer an der Regierung beteiligt war, ist sie durchaus pragmatischer geworden. Und bei aller Liebe, wer der Meinung ist, dass die Linke die DDR wieder aufleben lassen will, der lebt geistig leider noch in den Zeiten des Kalten Krieges und sollte sich ganz schnell an die Gegenwart gewöhnen.

Da aber rationale Gründe vor allem bei der SPD kaum eine Rolle spielen und es eher darum geht dem verstoßenen Sohn Lafontaine eins auszuwischen werden wir wohl auf Alternativen zur Großen Koalition vergeblich warten.

Damit kann die Wahl also beginnen und Frau Merkel kann jetzt schon zu einer Verlängerung ihrer Amtszeit gratuliert werden. Diese Wahl ist gerademal ein Kampf um Platz zwei zwischen Westerwelle und Steinmeier.
Und sollte, wofür viel spricht, die Große Koalition weitergeführt werden, dann ist abzuwarten, ob die SPD aus der kommenden Legislaturperiode überhaupt noch als Volkspartei herausgeht.

Bleibt nur zu hoffen, dass dem Wähler 2013 wieder mehr Einfluss zugestanden wird.

Dienstag, 19. Mai 2009

Stupid come il pane

Im Prinzip ist dem sprichwörtlich dummen Brot in Anbetracht des Vergleiches sogar Unrecht getan. Obwohl es sich von jedem beißen lässt, so hat es sicherlich noch nie in Erwägung gezogen einen unter Minderwertigkeitskomplexen leidenden, kleinen aber leider unendlich mächtigen Medienmogul ganze vier Mal in das wichtigste Amt des Staates Italien zu wählen. Seine Regierungszeit ist gesäumt mit Kontroversen und Skandalen so weit das Auge nur reicht. Nicht zuletzt wegen Geldwäsche, Ausnutzung der Medien und etlichen anderen Verstößen gegen geltendes Recht musste sich Berlusconi viele Male vor Gericht verantworten. Doch aufgrund seines unerschütterlichen Rückhalts im Parlament konnte er durch spontane Gesetzesänderungen oder durch Berufung auf seine Immunität immer wieder den Kopf aus der Schlinge ziehen.

Nachdem sich das italienische Volk über viele Jahre mit dem diktatorischen Regierungsstil Silvio Berlusconis arrangiert hatte und man sich auf internationaler Bühne langsam an die Unverschämtheiten und das fehlende Taktgefühl des amtierenden italienischen Ministerpräsidenten gewöhnt hatte, schien 2006 endlich der Punkt gekommen, an dem die Menschen die unverhohlene Verballhornung des politischen und juristischen Systems Italiens nicht mehr länger ertragen konnten. Endlich wurde nach zwölf Jahren eine neue Regierung unter dem ehemaligen Präsidenten der EU-Kommission Romano Prodi gebildet. Das neue Kabinett machte sich auch sofort mit Feuereifer an die Beseitigung von über einem Jahrzehnt sinnloser und eigennütziger Politik, startete Kampagnen zur Bekämpfung der Mafia, die in vielen Teilen Italiens über die Jahre wichtigen Einfluss genommen hatte, und versuchte das Land wieder auf einen wirtschaftlich und politisch vertretbaren Weg zu bringen.

Das es endlich so weit gekommen war, hielt wohl fast die ganze Welt für einen Erfolg. Endlich hatten sich die Italiener ihre politische Mündigkeit zurückgeholt. Aber weit gefehlt. Bereits nach zwei Jahren stand das neue Regierungsbündnis (nicht zuletzt aufgrund des steinzeitlichen Wahlsystems) vor dem Aus. Doch was die Neuwahl mit sich brachte, lässt einen glatt erschaudern. Sentimental und sehnsüchtig nach der starken Hand, an die sich die Italiener so lange gewöhnt hatten, wählten sie ihren Napoleon Bonaberlusconi wieder zum italienischen Ministerpräsidenten.

Wer nun geglaubt hat, dass über die Hälfte der Italiener endgültig den Verstand verloren hätte, der wurde vor kurzem eines besseren belehrt. Berlusconis Frau Veronica Lario hatte nach unzähligen öffentlichen Demütigungen nach Berlusconis Besuch des Geburtstages einer 18jährigen endgültig die Konsequenzen gezogen. Sie wollte sich von ihrem Mann trennen. Eine Entscheidung, die ihr wohl niemand verübeln kann, nachdem ihr Mann sich ständig mit jungen Frauen umgab und der einen oder anderen als kleines Geschenk einen Ministerposten oder die Spitzenkandidatur für die kommende Europawahl ermöglichte. Doch wer denkt die Sympathiewerte des Ministerpräsidenten würden jetzt ins bodenlose stürzen, der hat den italienischen Bürger unterschätzt. Für ihren Schritt erntete Lario nämlich in der Öffentlichkeit fast ausschließlich Missfallen. Man müsse doch die Ausschweifungen eines Silvio Berlusconi verstehen. Er sei ja auch nur ein Mann.

Hier bleibt dann wohl nur noch zu sagen: jedes Volk hat die Regierung, die es verdient. Doch das eine Achtel italienische Seele schmerzt.

Montag, 16. Februar 2009

Volksverdummung vom Chefmentalisten

Dem ein oder anderen dürfte die Sendung "The Next Uri Geller" auf ProSieben ein Begriff sein. Vom Prinzip her handelt es sich dabei um ein recht gutes Sendekonzept. Zumindest hat es in mehreren Ländern (USA, Niederlande, Israel) den Weg in die Primetime gefunden und ist - zumindest was die erste Staffel angeht - auch hier zulande gut vom Fernsehpublikum angenommen worden.

Madig macht dem mitdenkenden Zuschauer die Sendung jedoch das ewige Beteuern, es seien "echte Magie" und "übermenschliche Fähigkeiten" am Werke. Schade eigentlich, denn die Vorführungen könnten doch sehr unterhaltsam sein, wenn man sie einfach als das betiteln würde, was sie sind: gute (oder manchmal auch nicht so gute) Tricks und Illusionen. 

Kein wirklich erfolgreicher Magier hat jemals von sich behauptet, wirklich zaubern zu können. Er überlässt das Urteil lieber dem staunenden Publikum. Das Abrutschen der Sendung ins Esoterische verleiht der Show leider einen Touch, der einem das sichere Gefühl gibt, die Fernsehmacher vom Münchner Sender ProSieben nehmen ihre Zuschauer nicht für voll. Es erinnert an Zeiten, in der auf europäischen Märkten Quacksalber Mittel zur Teufelsaustreibung verkauften. "The Next Uri Geller" könnte eigentlich eine nette abendliche Unterhaltungssendung sein, mit ihrem jetzigen Konzept ist sie leider reine Volksverdummung.

Onlinetipp: Wer sich für die Auflösung der Tricks der großen "Mentalisten" interessiert, der sollte mal einen Blick auf http://www.motricks.de/ werfen. Viel Spaß!

Deutschland sucht den Superdurchschnitt

Es ist immer wieder erstaunlich, wie viele junge "Talente" jedes Mal den Weg zu den in ganz Deutschland stattfindenden Castings von "Deutschland sucht den Superstar" finden. Tausende kommen, um nur einmal die Chance zu haben, ihren Traum vom Leben als Superstar wahr werden zu lassen.

Doch was ist eigentlich ein Superstar? Sicherlich nicht das, was der Fernsehsender RTL jetzt schon zum gefühlt tausendsten Mal live im vor einem Millionenpublikum sucht. Das einzige, was da gesucht wird, ist die Quote. Und die ist selbst nach nun fünf Staffeln immer noch erstaunlich hoch. Sogar so hoch, dass die Sendung 2008 den Deutschen Fernsehpreis für die "Beste Unterhaltungssendung" bekommen hat. Den Titel kann man der Sendung nicht absprechen, vor allem daher, weil es eben auch eine sehr erfolgreiche Show mit hohem Unterhaltungsfaktor ist. Erstaunlich ist aber doch, mit welcher Naivität so mancher Castingteilnehmer sich der Jury stellt. Denn DSDS macht alles aus den Kandidaten, nur keinen Superstar.

Ein Superstar ist eine öffentliche Person, die große (in dem Fall musikalische) Erfolge über eine lange Zeit erzielt. Dazu zu rechnen wären im internationalen Musikgeschäft Menschen wie Elton John, Tina Turner, The Rolling Stones, Rod Steward, U2 usw. Deutsche Superstars gibt es sicherlich auch. Dieter Bohlen mag aufgrund seiner bemerkenswerten musikalischen Erfolge als Musiker, Komponist und Produzent als einer von ihnen gelten. Danach hört jedoch die Liste der Superstars, die mit DSDS in Verbindung zu bringen sind schlagartig auf.

Nur mal ein kleiner Test. Wer waren die Gewinner der bisherigen DSDS Staffeln? Und dran denken, man muss auf fünf kommen. Der ein oder andere hat nach viel Überlegen vielleicht alle fünf zusammen bekommen. Aber um Superstars handelt es sich dabei nicht.

Das ist auch gar kein Wunder, denn das, was die Jury von DSDS den Kandidaten in den Castings abverlangt, hat nur immer aller entferntesten Sinne etwas mit dem Überprüfen und Erlernen der Fähigkeiten eines Superstars zu tun. Beispielsweise muss niemand, um Superstar zu werden, über Kopf an einem Kran hängend geschweige denn mit einer Riesenpython um den Hals eine Ballade perfekt singen können. Den einzigen Zweck, den das erfüllt, ist die Steigerung von Einschaltquoten.

Und auch wenn es nicht so erscheint, der sinnloseste Part der Sendung beginnt erst mit den so genannten Mottoshows. Kein echter Superstar muss zehn verschiedene Musikstile meisterhaft beherrschen. Jemand, der es durch diesen musikalischen Filter schafft, kann nur mittelmäßig sein. Denn ein richtiger Superstar hat über Jahre eine Leidenschaft zu seiner Musik aufgebaut, hat die entsprechende Stimme für die Entsprechende Stilrichtung und identifiziert sich mit dieser Musik. Das Ergebnis des alljährlichen Castings hingegen bringt leider immer wieder nur One-Hit-Pop-Mainstream-Nullen hervor. Und wenn sie es nicht schon vorher waren, dann werden sie es durch das Casting. Kaum einer der Kandidaten hat es zu einer zweiten Singleauskopplung geschafft und die meisten sind nach spätestens einem Jahr wieder in der Versenkung verschwunden, aus der sie gekommen sind. Schon verblüffend, dass so Viele die Strapazen und die enorme psychische und physische Belastung auf sich nehmen, nur um nachher diese eher zweifelhafte Art von Karriere zu machen.

Erstaunlich aber auch, wie viele, die sich vorher so bereitwillig dem Urteil der Jury aussetzten, nach einer vernichtenden Kritik die Fachkenntnis eben jener Jury in Zweifel ziehen. Bei allem Zweifel, der an der Sinnhaftigkeit des Sendekonzepts und der Kompetenz der Jurymitglieder angebracht ist, können sich die Kandidaten aber nicht darauf berufen. Sie haben sich nun mal freiwillig für die Teilnahme an der Sendung gemeldet und müssen folglich auch mit jeder Art von Konsequenz, und sei es die Absprache jedes musikalischen Talents arrangieren.

Bleibt zum Schluss nur zu sagen: That's Showbiz! - aber lasst das Superstarsein bitte denen, die den Namen auch verdienen.